Selbstbetrachtung
Selbstreflektiert, kritisch und auch mal ehrlich sein, wenn es nicht gerade in Mode ist. Das ist alles außer deutsch. Neustes Beispiel ist ein Beitrag von Thilo Sarrazin in Lettre International, welcher gerade wieder sehr typisch deutsch in einzelnen Ausschnitten durch die Medien geistert. Endlich wieder jemand den man öffentlich opfern kann, nur um zu zeigen, dass es in Deutschland keine konservativen, oder gar rechten Gedanken mehr gibt. Das istz nämlich gerade in Mode - ganz undifferenziert und pauschal. Leider verhindert das seit Jahren eine ehrliche Auseinandersetzung mit Problemen dieser Gesellschaft. Und Integration oder Migration ist da auch nur ein Teil vom Ganzen …
Ein jeder soll sich seine Meinung selber bilden. Deswegen hier der Link zu den Äußerungen Sarrazins zum nachlesen: http://www.kanzlei-hoenig.info/volksverhetzung
Ich, für meinen Teil, bin nicht 100 % einer Meinung mit Sarrazin. Manche Formulierungen und die Tatsache, dass er Fakten mit Fiktion vermischt, erleichtern es natürlich ihn ins Unseriöse zu rücken - aber ich bin doch sehr dafür, dass man zumindest eine offene Diskussion zulässt - und nicht immer nur durch das Zusammenstellen von Zitaten und das Versehen dieser mit populären Kommentaren glänzt, sondern durch eine aufrichtige Reflektion. Das bringt uns nämlich nicht weiter mit Problemen die sowohl links wie rechts thematisiert werden.



Am 5. Oktober 2009 um 16:40 Uhr
“Endlich wieder jemand den man öffentlich opfern kann, nur um zu zeigen, dass es in Deutschland keine konservativen, oder gar rechten Gedanken mehr gibt.”
Die Frage ist auch: Was sind rechte Gedanken überhaupt? Sich kritisch mit der Entwicklung der Integration auseinanderzusetzen ist noch lange kein “Nazischeiß”. Eine spitze Formulierung im Rahmen einer Betrachtung eben dieser Entwicklung ist auch noch lange kein verbaler Ausrutscher und zudem nicht dazu da, um vom Wesentlichen abzulenken.
Wichtig ist, dass die Diskussion weitergeführt wird, da stimme ich dir zu. Aber das wird nicht passieren. Man stelle sich eine Gruppe Rabauken in der Nachbarschaft vor. Alle haben Streichhölzer in der Hand, in der Mitte ein Haufen brennbares Zeugs. Alle reden davon, es anzuzünden, aber keiner wagt es. Als einer endlich den Mut hat und das Feuer entfacht, treten alle anderen es schnell wieder aus, damit sie nicht erwischt werden. Schreit ein Anwohner doch aus seinem Fenster, zeigen alle mit dem Finger auf ihn. Das kennen einige vielleicht noch aus seiner Kindheit.
Man sollte auch bedenken, dass Sarrazin nicht von Rassen spricht, sondern von Kulturen. Er idealisiert weder seine eigene, noch andere, favorisiert aber einige mehr als die anderen. So what? Auch wenn einiges weit hergeholt ist, so hat er das Recht, diese Gedanken zu äußern, die in meinen Augen weder rassistisch, noch faschistisch sind. Aber dass es in Deutschland am einfachsten ist, seinen Arm zu heben, ist nichts neues. Und sei es nur zum Fingerzeigen.
Am 8. Oktober 2009 um 15:10 Uhr
Weiter gehts: http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,653874,00.html